Pussy Riots: Skandalöses Urteil zeigt Verflechtung zwischen Staat und Kirche

 ”Rowdytum aus religiösem Hass” – so begründet die Richterin ihr Urteil: Zwei Jahre Haft für die Frauen der Punkband Pussy Riots – was wieder einmal die unheilige Allianz zwischen russischem Staat und russisch-orthodoxer Kirche deutlich macht.

Proteste gegen die Inhaftierung der Punkgruppe Pussy Riots" am 12. Juli in Moskau. (c) Evgeniy Isaev/http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

Proteste gegen die Inhaftierung der Punkgruppe Pussy Riots" am 12. Juli in Moskau. (c) Evgeniy Isaev/http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

 Am 21. Februar 2012 hatte die Punkband Pussy Riots in der Moskauer Christus-Erlöser-Kirche einen Protestsong gesungen. Das sollte jetzt erst einmal in einer Demokratie, in der Meinungsfreiheit herrscht, eigentlich kein Problem sein. Ist aber eins. Denn nachdem KirchgängerInnen das Lied „Mutter Gottes, vertreib uns unseren Putin“ gehört hatten, zeigten sie die Frauen an, wegen „Rowdytums“ an.

 Das hatte erhebliche – und mittlerweile weltweit bekannte Folgen. Die drei Frauen (zwei von ihnen haben Kinder), wurden verhaftet, vor Gericht gestellt und gestern zu zwei Jahren Haft verurteilt. Urteilsbegründung „Rowdytum aus religiösem Hass“. Die Untersuchungshaft von sechs Monaten wird ihnen gnädigerweise angerechnet.

 Das Urteil ruft weltweit Protestaktionen hervor – und das ist gut so. Denn dieses Urteil zeigt die enge Verflochtenheit zwischen russisch-orthodoxer Kirche und russischer Staatsführung. Und es zeigt deutlich, dass das Wort „Demokratie“ in Russland inzwischen nicht mehr als das zu nennen ist, eben irgendein Wort.

 Die russisch-orthodoxe Kirche lässt sich dabei wunderbar für Putin instrumentalisieren. Kein „Erbarmen“, wie es die christlichen Kirchen so gerne predigen, kein Funken „Mitleid“ oder „Verzeihung“, wobei es ohnehin fraglich ist, ob das Singen eines kritischen Liedes überhaupt „verziehen“ werden muss. Aber wenn ich in der Diktion der Kirche bleibe, kann das wohl so gesehen werden.

 Dies zeigt einmal mehr deutlich, worum es nicht nur Putin geht, der offensichtlich so große Angst vor einem Machtverlust und vor Opposition hat, dass er sogar die eigentlich harmlose Aktion der Pussy Riots, mit unverhältnismäßiger Härte (gibt es eigentlich „verhältnismäßige Härte“) bestrafen muss. Es zeigt auch, wes Geistes Kind die christlichen – und hier vor allem die russisch-orthodoxe Kirche sind: Es geht um Macht, Macht über die Menschen, egal ob staatlich oder kirchlich gelenkt.

 Das Urteil gegen die Pussy Riots ist ein Skandal. Die weltweiten Proteste dagegen erfolgen zu Recht. Notabene: Ich bin der Meinung, dass Staat und Kirche in jedem Land der Welt zu trennen sind.

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