Mädchen und Mathe oder das überraschende PISA-Test-Ergebnis

Mädchen für Mathe begeistern - ein Kinderspiel! (c) Istockphoto/MarkPapas

Mädchen für Mathe begeistern - ein Kinderspiel! (c) Istockphoto/MarkPapas

Jetzt ist es also raus: Mädchen sind im Lesen besser als Knaben – die wiederum in Mathe die Mädchen überholen. Dies wurde heute von mehreren Medien quasi als die große, neue Überraschung aus den aktuellen PISA-Ergebnissen mitgeteilt. Nee – echt jetzt? Und weil auch die Politik davon wieder einmal völlig überrascht wurde, sollen ExpertInnen nun prüfen – a) ob das wohl wirklich so ist und b) warum das wohl so ist.

Ehrlich jetzt? Seit Jahren ist bekannt, dass strukturelle Probleme in Österreich zu derartigen Konsequenzen führen. Diese strukturellen Probleme sind nicht zuletzt auch dem Frauenbild, das im gut-katholischen Österreich noch immer hochgehalten wird, geschuldet: Knaben sind eben (so die altbekannten Vorurteile) eher naturwissenschaftlich interessiert und Mädchen eher nicht. Mädchen sind brav – und Burschen wild. In der Praxis führt das dazu, dass Mädchen eher weniger für naturwissenschaftliche Leistungen, sondern mehr fürs „brav sein“ gelobt werden. Knaben dagegen werden besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern gefördert. Es existieren nämlich keine Unterschiede, was die Begabung von Mädchen und Knaben anbetrifft. Studienergebnisse belegen dies.

Guten Morgen, Politik!

Das ist weder neu, noch ist es unbekannt. So wurde in den vergangenen Jahren im Zuge der unsäglichen Debatten über die Zulassungstests für das Medizinstudium etwa von Psychologinnen wie Christiane Spiel unermüdlich darauf hingewiesen, dass derartige strukturelle Probleme bereits in der Schule geändert werden müssen. Auch hier können dazu Diskussionsbeiträge nachgelesen werden.

Seit Jahren wird also darüber diskutiert. Aber scheinbar wohl nur in akademischen Kreisen und in den Medien. Die Politik hat schließlich andere Sorgen, als jene auszubilden, die die Zukunft dieses Landes darstellen. Sie muss schließlich Budgetlöcher schließen, Banken retten und AusländerInnen abschieben. Da kann sich die Politik doch nicht um so ein nebensächliches Thema wie naturwissenschaftliche Förderung des Nachwuchses kümmern. Versteht frau ja auch.

Jetzt – also nach den aktuellen PISA-Ergebnissen, die Österreichs SchülerInnen im Länderranking nun immerhin auf Platz 11 reihen (gähn!), jetzt scheint die Politik endlich mal aufzuwachen. Frohen Mutes sehe ich in die Zukunft. Sehe geschlechtersensibilisierte LehrerInnen, die Kinder für Mathematik, Physik und Chemie ebenso begeistern wie für Literatur, Sprachen und Kunst. Hurra – neue Zeiten brechen an.

Österreichische Realität

Dann bin ich aufgewacht – in der österreichischen Realität: Wo es unfruchtbare Koalitionsverhandlungen gibt, weil manche Politiker wohl doch scharf auf eine rechte Koalition sind, sich „ParteifreundInnen“ gegenseitig attackieren und MinisterInnen-Posten verschachert werden. Wird wohl wieder nichts gewesen sein mit der verbesserten Ausbildung. Die Diskussion sollte allerdings wenigstens weiter gehen. Anstelle eines unreflektierten „Draufhauens“ auf die LehrerInnen, plädiere ich für eine sachliche Diskussion, geschlechtersensiblen Unterricht, verbesserte Ausbildung von LehrerInnen und mehr Rechte für DirektorInnen. Damit ist nicht noch zehn oder zwanzig Jahre dauert, bis sich endlich auch an der letzten Schule in St. Umleiten am Frostaufbruch für Mathematik begeistern und darin glänzen.

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