Schwangerschaftsabbruch ist eine Lösung!

Mehr Beobachtungen der Aktivitäten so mancher Kirchenmänner könnte sinnvoll sein. (c) Istockphoto/gchutka

Mehr Beobachtungen der Aktivitäten so mancher Kirchenmänner könnte sinnvoll sein. (c) Istockphoto/gchutka

Wieder mal die Presse mit einem Kolumnisten, der ja als ausgewiesener Experte für Frauen- und Kinderrechte gelten kann: der römisch-katholische Bischof Klaus Küng. Unter dem Titel “Abtreibung ist niemals eine Lösung” schreibt sich der Kirchenmann seinen Frust über die Fristenlösung von der Seele. Dies soll, ja, dies darf nicht unbeantwortet bleiben. Und weil ich mich gleich mehrfach als Expertin bezeichnen darf (Frau, Medizinjournalistin, Feministin) sehe ich mich geradezu verpflichtet, auf die merkwürdigen Ansichten des Herrn Küng zu antworten.Schon der Begriff: “Abtreibung” wird immer dann gerne gesagt, wenn man(n) darauf hinweisen will, welch schröckliches Geschehen hinter einem einfachen medizinischen Eingriff steht. Ich ziehe den Begriff “Schwangerschaftsabbruch” vor. Das ist neutral und wertet nicht. Denn: Es geht niemanden etwas an, wenn eine Frau sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Und Frauen sind auch keine unmündigen Kinder, die – vor der Entscheidung für einen Abbruch – “lebensbejahend beraten” (Zitat aus Küngs Kommentar) werden müssen. Frauen – bei allen, die ich kenne, von denen ich gelesen, gehört oder die ich gesehen habe, ist das so, können selbst entscheiden, wie und in welcher Form sie ihr Leben gestalten wollen. Und ja, es kann passieren, dass in die aktuelle Lebenssituation kein Baby passt.

Bei einem Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten kann man auch nicht von einem “Kind, das getötet wird” sprechen. Unglaublich, dass ich das im Jahr 2013 einem anderen erwachsenen Menschen erklären muss. Zitat aus Küngs Kommentar: “Ein geschätztes Drittel unserer Kinder (sic!) wird abgetrieben.”

Okay, Herr Küng: Sie und ich haben nun mal erstens kein Kind miteinander. Genauso wenig haben Sie Kinder mit anderen Frauen (davon gehe ich jetzt einfach aus, weil sie ja zölibatär leben sollten). Schon allein deshalb halte ich es für eine ungeheure Hybris in diesem Zusammenhang von “unseren Kindern” zu sprechen. Außerdem werden eben keine “Kinder abgetrieben”. Es Schwangerschaften abgebrochen, bei denen ein Zellhaufen entfernt wird. Der Zeitpunkt, an dem in Österreich ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden darf (eigentlich ist das ja verboten, aber immerhin straffrei gestellt – mehr dazu am Ende meines Blogbeitrags) stellt sicher, dass hier kein “lebensfähiges Wesen” entfernt wird.

Der Herr Bischof gibt zwar einerseits an, genau zu wissen, wie viele Schwangerschaftsabbrüche in Österreich durchgeführt werden. Zitat: “Allein die Stadt Wien verliert täglich eine Schulklasse.” Echt jetzt: Geht es noch blöder? Anderseits moniert er fehlende Statistiken. In Österreich müssen Frauen keine Statistikblätter ausfüllen, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen. Und das ist gut so. Herr Küng meint allerdings, dass man Frauen eine anonyme Statistik sehr wohl zumuten könnte. Ich denke, was immer Frauen zumutbar ist, liegt – zum Glück – nicht in der Hand eines für seine fortschrittliche Einstellung (Achtung Ironie!) berüchtigten Bischofs.

Um die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche zu senken, regt Herr Küng eine “vorgeschriebene zeitliche Pause” zwischen Beratung und Schwangerschaftsabbruch an. In dieser Zeit könne man “den Frauen Zeit geben, nachzudenken – und sich in einem beträchtlichen Teil der Konfliktsituation letztlich doch für das Kind zu entscheiden.” Na sicher. Wenn eine erwachsene Frau eine Entscheidung trifft, die maßgebliche Auswirkungen auf ihr weiteres Leben hat, wird sie sich in einer vorgeschriebenen Wartezeit ganz sicher für die Austragung der Schwangerschaft entscheiden. Klar. Weil die Zeit – von dem Augenblick in dem die Schwangerschaft festgestellt wurde, bis zum Termin bei der Ärztin/beim Arzt nicht lang genug ist. Weil die Frau sich nicht selbst Zeit gibt, um nachzudenken, was das Beste für sie ist.

Küng schreibt pathostriefend eingangs seines Kommentars: “Es gibt Jubiläen, die sollte man nicht feiern. Wie etwa den 40. Jahrestag der Einführung der Fristenregelung.”

Sehr geehrter Herr Küng! Dieses Jubiläum sollte man nicht, das MUSS man feiern. Seit 40 Jahren sterben Frauen nicht mehr bei unsachgemäß durchgeführten Schwangerschaftsabbrüchen. Sie können in Kliniken gehen, die ihnen einen lege artis durchgeführten Schwangerschaftsabbruch anbieten. Sie gehen insgesamt nämlich von einer falschen These aus: Frauen haben immer und werden immer Schwangerschaften abbrechen. Wenn sie dies unter illegalen Umständen tun müssen, tun sie es trotzdem – und sterben nicht selten an diesem Eingriff. Aber das stört sie nicht – nicht wahr? Hauptsache die Frauen gehen wieder dahin, wo sie  – ihrer Ansicht nach hingehören – an den Herd und ins Kinderzimmer. Es wäre auch sinnvoll, sich für die vielen bereits geborenen Kindern einzusetzen, ihnen eine Stimme zu verleihen. Ich denke dabei an die vielen Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Aber daran rühren Sie wohl lieber nicht.

Zum Glück entscheidet in Österreich kein Bischof über die Änderung eines Gesetzes. Das tun andere, Berufenere, wie z. B. der Österreichische Frauenring oder die Initiative “Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafgesetz”. Zu nennen wäre hier auch der Gynäkologe Dr. Christian Fiala, der in seiner Klinik Schwangerschaftsabbrüche vornimmt und soeben eine Petition (hier kann sie unterschrieben werden) gestartet hat, die ebenfalls dafür sorgen soll, dass der Schwangerschaftsabbruch endlich entkriminalisiert wird. Und das ist gut so. Ich feiere die Fristenlösung! Aber ich freue mich, wenn ein Schwangerschaftsabbruch endlich nicht mehr mit dem Strafgesetz bedroht wird. Das, Herr Küng, ist Fortschritt, existenzieller sogar.

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