Der Schöne und die Biest

Marion Bartoli ist Französin, Tennisspielerin und ziemlich tough. Vergangenes Wochenende gewann die Weltklasseathletin DAS Grand Slam-Turnier – sie siegte in Wimbledon. Da brach aber ein Jubel los, sollte man denken. Mitnichten. Durch die Medien, durch Twitter und andere Social Media-Seiten ging ein Sturm der Entrüstung. Und warum? Hatte Bartoli etwa unfair gespielt? Wie eins John McEnroe mit Rackets um sich geworfen? Gar ihre Gegnerin angefallen?

Nein, all das hat Marion Bartoli nicht getan. Was den Sturm der Entrüstung auslöste war Folgendes: Die Topathletin entspricht figurmäßig nicht dem gängigen Schönheitsideal einer magersüchtigen Barbie-Puppe. Die Frau hat Figur – und Format, das ganz nebenbei bemerkt. Als eine liebe Kollegin mir heute einen Beitrag in diestandard.at dazu sandte, fiel mir eine ähnliche Geschichte ein, die auch von Tennis handelt und ebenfalls ein solches unsägliches Thema abhandelte. Daher: Aus gegebenem Anlass – mein Blogbeitrag vom 15. April 2009.

Die Samstag-Beilage zum Kurier, die „Freizeit”, bringt jede Woche „aktuelle” Modenews, Berichte über Stars und Sternchen und stellt vor allem eines heraus: Wie Frau auszusehen hat: Das reicht von den Kleidern, die sie tragen – oder um Himmels Willen! – auf keinen Fall tragen sollte über Make-Up-Tipps (Frau hat ja am Wochenende auch nichts anderes zu tun) bis hin zu Schmuck, der aber so was von angesagt ist). Viel berichtet wird auch über sogenannte „Stil-Ikonen”, die meist 35kg-schwere Supermodels mit Drogenproblemen sind und über – meist alte reiche – Männer mit – meist sehr jungen, sehr dünnen, sehr hübschen – Frauen.

Am 8. April 2009 wurde in einem kurzen Beitrag über die Verehelichung des Schweizer Tennisspielers Roger Federer mit Mirka Vavrinec, seiner Freundin, mit der seit dem Jahr 2000 „verbandelt” ist. So weit, so uninteressant.

Ein Wort war es allerdings, dass mir beim Lesen ins Auge stach: Es lautete „unscheinbar”. Der Tennisbeau heiratete seine „unscheinbare” Freundin. Der schöne und die Biest also quasi. Ein Foto der beiden war dem Bericht beigefügt. Roger Federer ist – je nach Betrachtungsweise und Geschmack – ein gutaussehender Mann. Und Mirka Vavrinec ist eine hübsche junge Frau.

Allerdings weist sie auch eine ganze Reihe von Attributen nicht auf: Sie ist nicht magersüchtig dünn, sondern hübsch gerundet. Sie ist kein wunderschönes, botoxgespritztes Glamourgirl. Weder brustvergrößert noch schönheitschirurgisch verändert, ist die frischgebackene Ehefrau des Tennisstars vor allem eines: Eine gut aussende Frau, die seit mehr als acht Jahren mit Roger Federer lebt.

Unscheinbar – ein Wort wie eine Pistolenkugel. Kein Wunder, dass bereits 13jährige Mädchen meinen, Diät halten zu müssen, dass 18jährige sich zum Abitur einen größeren Busen wünschen und dass 25jährige sich überlegen, ihre „Falten” mit Botox aufspritzen zu lassen. Schließlich scheint es unmöglich zu sein, dass ein international bekannter und gefeierter Tennisspieler eine ganz normale Frau heiratet – wo kommen wir denn da hin?

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