Nein danke – ich will nicht “mitgemeint” sein!

Drei Viertel aller UserInnen von Gesundheitsinfos im Netz sind Frauen. (c) Sabine Fisch

Drei Viertel aller UserInnen von Gesundheitsinfos im Netz sind Frauen. (c) Sabine Fisch

Im Vorjahr habe ich einen Auftrag verloren. Einen großen Auftrag. So einen, der für den Rest des Jahres die Miete und noch einiges andere bezahlt hätte. Verloren habe ich ihn, weil ich zu meinen Überzeugungen gestanden bin, eine Haltung eingenommen und nicht nachgegeben habe.

Vor einigen Monaten wurde ich von einem sehr großen österreichischen Verlagshaus kontaktiert. Man wolle die Gesundheitssparte aufbauen, ein Gesundheitsportal erarbeiten und mich als Journalistin für dieses Projekt gewinnen.

Ich freute mich. Das Haus galt als seriös, die Sache war interessant und nach dem ersten Kennenlernen ging es auch recht bald ans Erarbeiten von Struktur und Inhalt. Damals, bei einem der ersten Meetings mit den beiden Herren des Verlages hielt ich ausdrücklich folgendes fest: „Ich bestehe darauf, dass wir im Portal gendern.“ Was das bedeutet? Nun nichts anderes, als sowohl Frauen als auch Männer gleichwertig anzusprechen. Das macht auf jeden Fall Sinn, im Falle eines Gesundheitsportals wohl noch mehr, denn immerhin sind drei Viertel aller UserInnen von derartigen Gesundheitsinformationsdiensten Frauen . Und Frauen sind nun mal keine Patienten, sondern Patientinnen. Dazu kam noch ein wichtiges Argument: Da gendern in der österreichischen Medienlandschaft, auch online, immer noch Seltenheitswert besitzt  hätte dieses direkte Ansprechen von Frauen auch als klassisches Alleinstellungsmerkmal des neuen Portals gelten können.

Gendern – ja bitte!

Bei einem der ersten Meetings zum Projekt machte ich deutlich, wie wichtig mir das gleichwertige Ansprechen von Frauen und Männern sei und das dies für mich ein wesentlicher Punkt für meine Mitarbeit sei. “Ja, das sei sehr wichtig!” bekam ich zustimmend zu hören.

Ich sagte „schien es“, weil es letztlich dann doch nicht geklappt hat. Und das lag nicht etwa an der Undurchführbarkeit eines gegenderten Portals. Nein, es lag – Zitat – „an der möglichen Irritiertheit der User (Sic!) wenn Frauen und Männer gleichwertig angesprochen werden. Und das in einem Gesundheitsportal, das vorwiegend von Frauen genutzt wird.

Die letzte Vorstellung

Gestern nun, am Donnerstag, den 4. Juli 2013, war wieder einmal ein Meeting angesetzt. Die erste Redaktionssitzung quasi. Sechs Journalistinnen waren anwesend. Sie sollten das Kernteam des Projekts bilden. Der Herr vom Verlag begrüßte uns launig mit einem: „Wir haben hier ja eine sehr gute Gruppe von JournalistEN versammelt.“ Na gut. Es wurde besprochen, wie die Artikel aufgebaut sein sollten, welche Aspekte unbedingt bedacht, welche vernachlässigt werden könnten oder nur von Fall zu Fall verwendet werden sollten. Und dann kam das Gespräch aufs „gendern“. Das sei so schwierig, wollten wir das denn wirklich tun? Ich war gelinde gesagt, erstaunt. Schließlich war es etwa sieben Meetings lang kein Thema gewesen – wieso wurde das jetzt noch einmal in Frage gestellt. Für mich war das klar gewesen.

Gendern – nein danke!

Die Diskussion ging los – aber hallo. Lustig ist dann immer, wenn Frauen meinen, wenn sie „mitgemeint würden, wäre das schon in Ordnung.“ Ich stellte noch einmal deutlich fest, dass ein gegendertes Portal für mich eine Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit darstelle. Die Diskussion wogte weiter. Als Vorschlag zur Güte regte ich an, doch ausschließlich die weibliche Form zu verwenden (die vielen Userinnen!) und die Männer einfach „mitzumeinen“. Schockiertes Schweigen – vor allem der beiden anwesenden Verlagsherren. Dann kam das mit der „Irritabilität des Users.“ Das geht natürlich gar nicht. Männer können doch nicht einfach mitgemeint sein – unmöglich oder? Die Diskussion ging noch eine Weile hin und her, als einer der beiden Verlagsherren nach einem besorgten Blick auf seine Uhr meinte: „Uns läuft die Zeit davon.“ Um das ganze abzukürzen sagte ich zum anderen Herrn, der das Thema aufgebracht hatte: „Wir werden nicht gendern, oder?“ und er sagte: „Nein.“ Darauf ich: „Dann hat es mich sehr gefreut, aber hiermit endet meine Mitarbeit.“ Sprach es, stand auf und ging – nach einem freundlichen Lächeln in die Runde.

Rückständige Medienwelt

Geschlechtergerechte Sprache ist – ich verstehe nicht warum – ein kontroverses Thema. Ich jedenfalls bin eine Journalistin und kein Journalist, weil durch die Bezeichnung deutlich wird, dass ich eine Frau bin. Soweit so klar. Sprache ist Macht. Und das ist kein neues Thema. Bereits 1990 hat die Europäische Union eine Resolution verabschiedet, die sich für geschlechtergerechte Sprache einsetzt. Ebenfalls die UNESCO und sogar die nicht gerade für ihre Innovationsfreudigkeit bekannte österreichische Bundesregierung hat sich bereits 2001 mit dem Thema befasst.

„Geschlechtergerechte Sprache macht Frauen sichtbar. Sprachliche Formulierungen beeinflussen Denken und Weltbild. Studien belegen die Benachteiligung von Frauen durch die Verwendung der männlichen Sprachform für beide Geschlechter (…). Frauen in der Sprache sichtbar zu machen ist daher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Institutionen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene unterstützten die Notwendigkeit sprachlicher Gleichbehandlung. Beispiele sind die Resolution der UNESCO für einen nicht sexistischen Sprachgebrauch von 1987, die Empfehlung des Rates der Europäischen Union, Sexismus in der Sprache zu eliminieren von 1990 und der österreichischen Ministerratsvortrag zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch aus 2001.“ (Quelle)

Noch einmal langsam und zum Mitschreiben: Sprache verändert Dinge. Sie ist nicht starr und unveränderlich, einmal niedergeschrieben und nie mehr verändert. Sie entwickelt sich vielmehr mit der Gesellschaft, ihren Anschauungen und Wandlungen. Das bedeutet auch, der veränderten Rolle der Frau auch in der Sprache Rechnung zu tragen. Natürlich ist das nicht „das wichtigste für eine gleichberechtigte Welt“ (auch so ein beliebtes Totschlagargument, das gestern gefallen ist), aber die Sichtbarmachung von Frauen auch in der Sprache ist ein ganz wesentlicher Baustein dafür.

„Sprache ist nicht nur Kommunikationsmittel, sondern vermittelt auch unsere Weltanschauungen und trägt zur Bildung der sozialen und psychischen Identität bei. Zwischen Denkweisen und Sprachverhalten bestehen enge Wechselwirkungen. Unsere Vorstellungen fließen in unsere sprachlichen Äußerungen ein, die verwendeten Sprachformen beeinflussen wiederum unser Denken. In diesem Zusammenhang steht die berechtigte Forderung nach sprachlicher Gleichbehandlung von Frauen und Männern.“ (Quelle).

Natürlich bin ich traurig. Der Auftrag wäre spannend gewesen, hätte erhebliche finanzielle Sicherheit in mein Leben als freie Journalistin gebracht – und Spaß gemacht hätte mir der Aufbau eines solchen Portals auch. Dennoch stehe ich zu meiner Entscheidung: Ich bin jetzt 42 Jahre alt, seit mehr als 20 Jahren Journalistin und Feministin – und ich habe es satt „mitgemeint“ zu sein.

Nota bene: Von einem großen Medienhaus, das sich – zumindest war das mal so – der Innovation verschrieben hat, hätte ich wirklich mehr erwartet.

Wer sich über gendergerechtes Formulieren (das ist übrigens weder besonders schwierig noch macht es Texte “unlesbar”, wie auch häufig formuliert wird)  informieren will, kann das hier tun:

Gendergerecht formulieren

Leitfaden gendergerechte Sprache

Sprachliche Gleichstellung

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32 Kommentare zu “Nein danke – ich will nicht “mitgemeint” sein!”

  1. Natürlich hat Gendern überhaupt nichts mit der gleichwertigen Ansprache von Männern und Frauen zu tun, sondern ist ein leider ziemlich oft für zumeist völlig unpassende Zwecke missbrauchter Formalismus. Zum Beispiel in diesem Fall, denn selbstverständlich macht gendergerechtes Formulieren Texte schwerer lesbar (nicht immer, aber sehr oft).

    Aus journalistischer Sicht ist Gendern, von Ausnahmen abgesehen, nicht zu rechtfertigen – wenn es nicht zufällig dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht, was nur selten der Fall ist. Verlage, die Gendern in ihren Medien nicht flächendeckend zulassen, handeln weder frauenfeindlich noch respektlos, sondern einfach nur professionell. In ihrer sonstigen Kommunikation gendern im Übrigen viele dieser Verlage dann sehr wohl – weil das korrekt und angebracht ist, was es in journalistischen Texten einfach nicht ist. Grundsätzlich auf Gendern in journalistischen Texten zu bestehen, ist schlicht und einfach unprofessionell. Aus dem Faktum, dass jemand gendert oder nicht gendert, auf dessen Einstellung Frauen gegenüber zu schließen, ist dumm. Ah, damit das jetzt aber auch schon wirklich total korrekt rüberkommt: auf “deren” Einstellung Frauen gegenüber zu schließen, natürlich: auch.

    Die Ansicht, dass die Frage “Gendern oder nicht” etwas mit dem Thema Gesundheit zu tun haben soll, ist ziemlich kurios.

    Gender-Fetischisten mit ihrer rücksichtslosen Vergewaltigung guter und praxisgerechter Sprache – die im Übrigen eher nicht durch irgendeine EU- oder Unesco-Festlegung definiert wird, sondern durch das Leben – erreichen oft genau das Gegenteil vom Gewollten: Die Leser steigen aus gegenderten Texten ziemlich rasch aus – und kriegen dann die für die Sache der Frauen sehr oft wichtigen Inhalte einfach nicht mit. Ein echtes Fundi-Schicksal – je verbohrter man für eine Sache mit untauglichen Mitteln eintritt, desto weniger erreicht man. Müsste ich jetzt eigentlich nicht korrekt schreiben: ein Fundinnen-Schicksal?

  2. nk sagt:

    SUPER! das nenn ich mal zivilcourage!
    schade um die miete usw…aber ein gesundheitsblog sollte nun mal für männer und frauen …

    … und eigentlich ALLE ” _ ” – personen die sich in kein heteronormatives/ biologisches geschlecht einordnen wollen …

    gleich sein!

    DANKE dass du über deine erfahrung geschrieben hast

  3. Schwarzwald sagt:

    Lieber Herr Puchleitner,

    haben Sie bereits von der berühmt berüchtigten Definitionsmacht gehört. Diese ist nicht von Ihnen gepachtet, sondern Verhandlungssache – auch wenn Sie noch so munter vor sich hin behaupten.
    Außerdem würde es jeder ernsthaften Journalist_in gut anstehen, mit dem Begriff Vergewaltigung nicht so inflationär um sich zu werfen.
    Ich schlage für diesen Sommer vor: Gendern statt Golfen!
    Mit besten Grüße
    H.E. Schwarzwald

  4. Bine sagt:

    Ich bin zutiefst beeindruckt und möche dir meinen großen Respekt für deine Entscheidung ausdrücken!

    Zu dem ersten Kommentar erübrigt sich eigentlich jegliche Stellungnahme. Trozdem Herr Puchleitner: Hundertmal gehört, durch Wiederholung wird Unsinn keine Deut sinnvoller. Interessant, dass sie so eine schwache Lesekompetenz haben, dass sie bei “gegenderten Texten” schnell aussteigen. Aber verallgemeinern sie das bitte nicht auf die Gesamtbevölkerung. http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-12-14/frauen-natuerlich-ausgenommen

  5. Kiki sagt:

    Mutige und richtige Entscheidung. Hut ab!

    Liebe/r H. E. Schwarzwald: als passionierte Golferin seit meinem 10. Lebensjahr verstehe ich Ihren Schlachtruf „gendern statt golfen!“ nicht. Ich empfehle, nicht das dämliche Verhalten der einen Seite gegen eigene dämliche Vorurteile andererseits zu egalisieren.

  6. Joerg sagt:

    Es tut mir leid, dass ein Bestehen auf eigentlich einfachsten, zeitgemäßen Werten solche Konsequenzen hat, weil weiße Männer am Schalter sitzen. Ich wünschte mir, dass das als Diskriminierung verklagt werden könnte. Ich hoffe nur sehr, dass du gute Arbeit findest um den Verlust wett zu machen.

    Es tut mir auch leid, dass direkt der erste Kommentator ein ignoranter Sexist ist, der mit Privileg und Vergewaltigungsvergleich für ein argumentatives Stilmittel hält, was seltsam ist für jemanden, der als offizieller Sprecher von Journalisten (extra nicht gegendert) auftritt.

  7. Julia sagt:

    Mir ist neulich etwas passiert, das auch in diese Richtung geht. Bin ebenfalls Journalistin und habe in einem Artikel (wie immer) konsequent gegendert, woraufhin eine Pressereferentin mir nach dem Lesen des Artikels geschrieben hat, ich würde ja doch sehr viele Rechtschreibfehler (z.B jedeN) machen…

  8. kaathe sagt:

    schon lustig-wenn also 3/4 der angesprochenen frauen sind kann mensch nich generisches femininum nehmen, aber das maskulinum? wenn es darum ginge sich der sprrache gemäß an die mehrheit anzupassen*-nicht möglich. könnte die armen herren ja in ihrem Repräsentationsrecht verletzen. superpeinlich

    *ausnahmen gelten selbstverständlich besonders für rassistische begriffe.wenn die weiße definitionsmacht-behaftete Mehrheit bestimmt, dass sich PoC gefälligst nicht am n-wort oder anderer *istischer kackscheiße stören sollen ist das türlich unfug.
    wenne s aber darum geht die menschen anzusprechen,d ie als kundinnen&kunden auf die seite kommen und sichd ie seite zum größten teil an frauen richtet kanne s ja nun nichts o schwer sein etwas macht abzugeben.

    denn natüerlich wird von frauen* erwartet, dass sie sich mitgemeint fühlen-aber den herren der schöpfung diese funzelkleine privileg wegzunehmen, an das sie scih so stark klammern-ne, das geht nicht.

  9. Michael W. sagt:

    Hallo Frau Fisch,

    Zuerst einmal möchte ich Ihnen meine Wertschätzung für Ihre Prinzipientreue ausdrücken. Es ist selten in unserer Zeit, welche immer mehr durch wirtschaftliche Zwänge bestimmt wird, dass Menschen sich diesen nicht Beugen, sondern für Ihre Überzeugung einstehen.

    Doch nach dem Lesen Ihres Beitrages möchte ich Ihnen gegenüber kundtun, dass ich Ihre Überzeugung nicht teile, da sie meinem Verständnis nach nicht die Geschlechtergerechtigkeit im Auge haben, sondern einzig das Interesse der Frauen, denn anders ist der nachfolgende Satz von Ihnen nicht zu erklären.

    “Als Vorschlag zur Güte regte ich an, doch ausschließlich die weibliche Form zu verwenden (die vielen Userinnen!) und die Männer einfach „mitzumeinen“.”

    In Bereichen, in denen der Anteil männlicher Leser überwiegt, würden sie sich doch sicherlich nicht mit diesem Argument zufriedengeben?

    Außerdem hat die von Ihnen aufgeführte historische Einordnung den Hacken, dass in diesen Dokumenten in keinster Weise eine einheitliche Definition von “geschlechtergerechter” Sprache zu finden ist. Ich finde die Geschlechter gerechte Sprache wichtig, z.B. dass es in Texten die Patientin und der Patient heißt (bzw. vice versa) oder der/die Patient/in, jedoch dürfte Ihnen sicherlich bereits zu Ohren gekommen sein, dass die derzeit von Feministen und Feministinnen präferierte Form PatientIn dazu führ das im Allgemeinen eben jenes I als i gelesen wird und dadurch der/die Leser/in nur die weibliche Form ließt, was auch in Studien bestätigt wurde. Ist das dann noch eine geschlechtergerechte Sprache?

  10. Charlotte sagt:

    Wow, Du bist echt mutig! Ich bin beeindruckt.

    Zu dem ersten Kommentar ist bereits alles gesagt worden, inklusive link auf den Sciblog, und ich kann mich meinen Vorschreibern/Vorschreiberinnen nur anschliessen.

  11. inanna. sagt:

    Ein ermutigendes Beispiel, weiter zu machen! Zu den eigenen Überzeugungen zu stehen!

    Ich kann Argumentationen à la Herrn P. und W. nicht mehr hören. Den Hinweis geben, sich doch bitte mal in die Schuhe der Anderen zu stellen. Eine andere Wahrnehmung könnte ein erster Schritt hin zur Veränderung sein.

    Diese Diskussionen habe ich inzwischen dermaßen satt, dass ich dazu übergegangen bin, in weiblicher Form zu schreiben und zu sprechen (beruflich und privat). In Fällen, in denen eine Unterscheidung wichtig ist, erwähne ich alle Möglichkeiten.

    Auch wenn es den Kühlschrank nicht füllt, dafür aber vielleicht die Seele wärmt: Ich ziehe den Hut vor dieser Courage.

  12. Ludger H. Sieben sagt:

    Aus dem Sprachkontext ist in aller Regel sehr eindeutig erkennbar, ob Mann/Frau, Kinder/Erwachsene, Mitarbeiter/Besucher etc. mit-gemeint sind oder nicht. Alles was, davon abgesehen, über den volks(!)-geschichtlich gewachsenen Gebrauch der Sprache hinausgeht, ist entweder, gelegentlich (gerade in der kollegialen Zusammenarbeit), übertriebene, Höflichkeit oder eben politisch korrekte Kunstsprache.
    Letzteres ist entschieden abzulehnen!
    Die Gesellschaft wird sich von einigen wahrnehmungs-gestörten Feministinnen nicht aufzwingen lassen, wie sie zu schreiben und zu sprechen haben.
    Wer derartige “Empfindlichkeiten” meint, kultivieren zu müssen, soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. Im seriösen Journalismus jedenfalls hat sie nichts verloren.

  13. Fischismus sagt:

    hihi, schon wieder ein mann (glaub ich zumindest), der meint, er müsse mir die welt erklären. und auch gleich noch die “volksgeschichte” einbringt. was er damit wohl meint.

  14. Lottola sagt:

    Hut ab! Sie haben wirklich “Eierstöcke”! Mit allergrößtem Respekt.

  15. Wobbl sagt:

    “Sprache verändert Dinge” – Was meinst du hier denn mit “Dingen”? Zustände? Objekte?
    Es dürfte allseits bekannt sein, dass es genau andersrum ist: gesellschaftliche Zustände verändern die Sprache. Alles andere ist künstl. herbeigeführt. Und trägt kaum zu einem anderen Bewusstsein bei. Sich über die Sprache aufzuregen ändert wenig an dem, was in den Köpfen ist, sondern Sprache verändert sich automatisch mit dem Denken der Menschen. Jeder Grundkurs in Sprachwissenschaft vermittelt das. Es gibt unzählige Beispiele, wie versucht wurde Sprache “absichtlich” zu beeinflussen. Damit landet MENSCH dann bestenfalls im Duden, aber nie in den Köpfen der Leute. Cheers.

  16. Silvia Stoller sagt:

    1) Die Aussage, dass Verlage, die flächendeckendes Gendern nicht zulassen, “professionell” seien (Puchleitner), finde ich echt lustig.
    2) Fischismus: Ich finde es super, dass Sie Ihre Geschichte veröffentlichten und damit anderen zur Kenntnis brachten. Ich wünsche Ihnen auch bald einen guten und zufriedenen Ersatz und einen Arbeitszusammenhang, in dem es sich so oder anderweitig “lohnt”, zu arbeiten. Tot, toi, toi!
    3) Solche Verlagshäuser, wie Sie sie beschrieben haben, verdienen jedenfalls nicht meinen Respekt.

  17. Großartige Zivilcourage, meine Hochachtung. Das mag zwar den Herren ein Denkanstoß gewesen sein, leider wird das Opfer aber wohl ein sinnloses gewesen sein. Leider.

    Das bitte nicht als Kritik zu verstehen: eventuell wäre es besser gewesen, den Job doch anzunehmen und weiterhin stur auf das Gendern zu bestehen, nur gegenderte Texte abzugeben etc. und die Anweisungen der Chefs zu ignorieren. Damit riskiert man zwar eine Entlassung, aber die könnte man publik machen und die würde einen gewaltigen Shitstorm entfesseln. Nur so ein Gedanke…

  18. Frau Elise sagt:

    Gute Entscheidung. Irritierend allerdings, dass sich dann ausgerechnet über dem Artikel eine Google-Anzeige von Gilette Venus “Erwecke die Göttin in Dir” findet.

  19. liqui.do sagt:

    Zeit, dass sich was dreht…?

    Glückwunsch zur Prinzipientreue auch von mir – die ständige Wiederholung des Kreislaufs “theoretisch gerne, praktisch lieber nicht” ist schon ein kurioses Phänomen in einer Welt, in der ein teurer Mini-Touchscreen mit Telefonierfunktion binnen weniger Jahre ein ganzes Techniksegment verändern kann. Warum lächelt niemand so mitleidig über ungegenderte Verlagserzeugnisse, wie es allerorten und jeden Tag beim Anblick eines klassischen Tastenhandys geschieht?

    Das schöne am volkstümlich wachsenden Sprachgebrauch ist, dass ja jede und jeder hier auch Volk ist und durch den eigenen Sprachgebrauch an der weiteren Evolution mitmischt.

    Vor rund 10 Jahren ist mir das Thema “Frauen mitmeinen oder nicht?” das erste Mal auf den Schirm gekommen. Und damals fühlte es sich für mich total kampf-feministisch-übertrieben an. Das hat sich für mich mittlerweile grundlegend geändert – ohne, dass ich das wollte! Wo auch immer ich konkrete Adressatin eines Texts bin, der dann aber ausschließlich die männliche Form verwendet, bemerke ich, dass ich beim Lesen gestört werde.

    Rein formale Lösungen finde ich persönlich eine langweilige Evolution, denn ich liebe Sprache und (ihre) Vielfalt. Das große Binnen-I ist für mich auch keine angemessene Lösung – leider habe ich den Link nicht gespeichert, vor bestimmt 6, 7 Jahren gab es bereits wissenschaftliche Untersuchungen (mein erinnerung sagt: in Wien, das wäre imKontext dieses Blogeintrags natürlich amüsant!), welches Geschlecht sich die Lesenden vorstellen, wenn sie welche Schreibweisen sehen. Das Binnen-I verschob zu mehrheitlich weiblicher Repräsentanz, geht nach meinem Empfinden damit übers Ziel hinaus. Punkte gehen offenbar gut: Jede.r Leser.in kann das für sich überprüfen.

    Im Web, wo es finanziell nicht signifikant spürbar ist, wie lang/kurz ein Text ist (Fans von Korinthen können sicherlich den Strompreis für global summierte Zusatz-Bytes an Übertragungsleistungen errechnen – diese Investition ist es allemal wert!), schreibe ich gerne beide Formen aus (Wenn Journalistinnen und Journalisten schreiben…), manchmal funktioniert auch das Nominativ (…ist das gut für die Lesenden…), bei Beispielen kombiniere ich dann mal den einen oder die andere (…sowohl für den Hausmann in Itzehoe, als auch die Managerin in den oberen Etagen Wolfsburger Autokonzerne). Meine Beiträge zur lebendigen Gerechtigkeit, vor allem aber zu besseren Wahrnehmung von Texten durch die Zielgruppe. Denn der Nutzen liegt auf der Hand: ein lebendig gegenderter Text erreicht mehr Menschen, wenn er auch sonst gut geschrieben und relevant ist, weil sich mehr mit den Inhalten identifizieren können.

    Dass das offenbar in einigen Verlagshäusern verzichtbar ist, verwundert mich gelinde gesagt ein wenig. Sind ja sonst eher jammernd, dass ihnen Leserschaften im Internet abhanden kommen, die … Herren und wenigen mitgemeinten Chefredakteurinnen und Verlegerinnen.

    In diesem Sinne, freundliche Grüße
    liqui

  20. Blubber sagt:

    also wenn ich irgendwo gegenderte texte lesen soll, krieg ich auch nach kürzester zeit die krise, weil über dem ganzen gewurstel mit er und sie und es und immer wieder hundert ansprachen hintereinander wirklich kaum mehr der inhalt aufzunehmen ist, bzw, es ist sehr mühselig.

    wir gendern ja auch nicht gegenstände wie “der wecker” oder “die kaffeekanne” bloß um irgendwelche geschlechterspezifischen assoziationen zu vermeiden. das generische neutrum wäre für mich eine innovation, dann hätten wir tiere auch gleich mit drin in der sprache. das tier. das frau. das mann. das

  21. st kilda sagt:

    Brava!! Dein Verhalten finde ich großartig und mutig.
    Ich habe neulich schon wieder ein Formular beim Zahnarzt erhalten, auf dem “Unterschrift des Patienten” stand. Ich verbessere in “der Patientin”. ZFA (weiblich) war ernsthaft verwundert … Tja.
    Selbst auf den Steuerformularen steht: “Unterschrift des Unternehmers”. Wird bestimmt nie geändert, egal wie viele Eingaben die Unternehmerin da macht. Ich fühle mich einfach mal nicht “mitgemeint”, und was für ein herablassender Ausdruck das ohnehin schon ist.
    Mehr Protest, bitte!

  22. Fischismus sagt:

    das kann ich wirklich nicht nachvollziehen. immerhin müsstest du ja meinen blogbeitrag gelesen haben, um ihn zu kommentieren – und der ist gegendert. gendern geht auch ohne “geschwurbel”. mensch muss sich halt damit befassen.

  23. Fischismus sagt:

    vielen dank für diesen wunderbar klaren, interessanten und spannenden kommentar. großartig formuliert!

  24. Fischismus sagt:

    auf die werbung in meinem blog habe ich leider gar keinen einfluss. die blogführung ist gratis – da muss ich das leider in kauf nehmen – auch wenn es mir nicht gefällt.

  25. Fischismus sagt:

    die idee klingt großartig. unglücklicherweise bin ich manchmal doch recht impulsiv. ich weiß aber auch nicht, ob ich die kraft gehabt hätte, mal wieder gegen geschlossene türen zu rennen. trotzdem: danke für den kommentar.

  26. Fischismus sagt:

    ja ich meine wirklich, dass sprache die gesellschaftlichen umstände nicht nur abbilden, sondern auch verändern kann. sprache verändert natürlich die sicht auf die dinge. ja. davon bin ich nicht nur überzeugt, es liegt inzwischen auch eine große anzahl studien vor, die das belegen.

  27. Elke Brüser sagt:

    Bravo für so viel Bravour! Ich gehöre zum Team der unabhängigen Gesundheitszeitschrift “Gute Pillen – Schlechte Pillen” und habe nach und nach durchgesetzt, dass mindestens einmal in einem Artikel (auch) von Patientin oder Ärztin gesprochen wird. (Da gibt es nur wenige Ausnahmen bei Kurztexten.) Und in der Frauenheilkunde ist sowieso nur von Patientinnen und Ärztinnen die Rede. Die Gynäkologen sterben als Zweig sowieso aus…
    Noch wichtiger ist mir, dass wir bei den Interviews mit medizinischen Experten und Expertinnen immer schön abwechseln, was das Geschlecht angeht … Und was unser Team betrifft, wir gewinnen gerade drei Autorinnen dazu.
    Aber es gibt noch viel zu tun!

  28. verena sagt:

    “ja ich meine wirklich, dass sprache die gesellschaftlichen umstände nicht nur abbilden, sondern auch verändern kann. sprache verändert natürlich die sicht auf die dinge. ja.”
    ja, ganz genau!! ich hab das schon bei mir selber erlebt, und bin immer ganz erstaunt, wenn leute das strikt verneinen. ist wohl die angst vor kontroll-verlust, hehe.
    schöner artikel. wobei es natürlich ärgerlich ist, dadurch einen auftrag zu verlieren :-/

  29. JB sagt:

    Hut ab!!! die haben bestimmt Augen gemacht und sich ernsthaft gefragt was mit dir los ist. Das möchte ich auch mal können ;o)

  30. trudy stöcklin sagt:

    bücher die nicht gendergerecht geschrieben sind, kaufe ich schon lange nicht mehr.
    ich frage oft die verlage an, ob ein buch gendergerecht geschrieben sei – und dass ich es nur kaufe mit gendergerechter sprache.
    für mich ist diese altmodische sprache unlesbar,

    ich habe deshalb schon viel geld gespart.

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