Wie der tägliche Spaziergang mit einem Beagle zur Horrorvorstellung wird…

Mein Beagle - Emil ist sein Name. Foto: Andrea Heraut

Mein Beagle - Emil ist sein Name. Foto: Andrea Heraut

Montagmorgen. 8.30 Uhr. Frau und Hund machen sich auf den Weg zum morgendlichen Spaziergang. Alles ist gut – abgesehen von der beinahe schon winterlichen Kälte. Der Hund wedelt mit dem Schwanz, trippelt enthusiasmiert vor sich hin, schnuppert hier und pinkelt dort.

Besagter Hund ist ein Beagle. Für alle Nicht-BeaglehalterInnen: Beagles gehören innerhalb der Gattung Canes zu jenen Tieren, denen Fressen über alles geht. Ob etwas überhaupt essbar ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Gefressen wird, was nicht schnell genug am nächsten Baum, unter einem dicht schließenden Deckel oder unerreichbar im Schrank verstaut ist.

Menschen, die einen Beagle ihr Eigen nennen, erkennt man oft an dem merkwürdigen Blick, den sie vor sich auf die Straße richten, wenn sie mit ihrem Hund unterwegs sind. Ich nenne das den „Scan-Blick“. Die Straße, das Bankett, der Grünstreifen, was auch immer gerade vor einem (und der gierigen Schnauze des mitspazierenden Beagles) ist, wird ununterbrochen auf etwaig dem Hund schmackhaft erscheinende Speisen/Knochen, Kaugummis, Steine, Hölzer, untersucht.

Manchmal, da nutzt aber auch der beste „Scan-Blick“ rein gar nichts. Dann nämlich, wenn die stets schnuppernde Schnauze etwas findet, was frau erst gar nicht zu Gesicht bekommt. Beagles haben das, was bei Superman der Röntgenblick ist, in der Schnauze. Sie sehen auch durch das dichteste Gestrüpp genau das Knocherl, das sie sich jetzt unbedingt und sofort ins Maul stopfen wollen. Dafür muss auch gar nicht angehalten werden – das geht im Vorübergehen.

Womit ich wieder beim morgendlichen Hundespaziergang wäre. Plötzlich kaut der Hund. Warum kaut der Hund? Ich hatte nichts gesehen. Gut also: Anhalten, die Kiefer des Hundes aufspreitzen, Ding, das er gerade kaut, möglichst entfernen. Nun mögen Beagles es so gar nicht, wenn man ihnen etwas, das sie gerade geruhen zu verzehren, wieder entwenden möchte. Und sogar halbe Hundeportionen von 12 kg können Kräfte im Kiefer entwickeln, die mindestens eine dritte Hand notwendig machen. Kurz und gut: Ich schaffte es nicht. Was auch immer er da gerade zerkaute, er würde es zerbeißen, schlucken und verdauen – hoffentlich ohne Folgen. Dachte ich.

Dachte ich nicht mehr, als der Hund anfing, die Pfoten ins Maul zu stecken, Schaum vor dem Mund zu bekommen und heftig mit dem Kiefer zu mahlen begann. In Panik geriet ich erst, als neben reichlich Schaum auch Blut aus dem Maul trat, der Hund sich zu gebärden begann, als ob er demnächst sterben würde und sich schlußendlich hinlegte, um – wie ich zu diesem Zeitpunkt meinte- nun genau das zu tun.

Auch 12 kg können schwer sein, wenn man mit ihnen auf dem Arm Richtung Tierarztpraxis rennt.

„Ich habe hier einen Notfall!“ keuchte ich, als ich die Tierklinik Längenfeldgasse betrat. Ich heulte, was nun auch nicht jeden Tag passierte.

Wie sich herausstellte, starb der Hund nicht. Das blöde Vieh hatte einen Knochen ins Maul genommen (danke an dieser Stelle an alle Menschen, die ständig Dreck auf die Straße werfen – und ja, ich entsorge die Exkremente meines Hundes) – und dieser hatte sich im Oberkiefer verkeilt.

Der Hund wurde erst mal schlafen gelegt, dann der Knochen entfernt. Alles noch mal gut gegangen – letztlich kein dauerhafter Schaden passiert.

Wir sind jetzt wieder zu Hause. Der Hund schläft seinen Anästhesie bedingten Rausch aus, und ich werde noch heute einen Beißkorb für den kleinen dummen Kerl besorgen. Damit so etwas nicht wieder passiert. Denn unglücklicherweise sind die sonst so klugen Hündchen nicht in der Lage, die Situation: Ich habe wahnsinnige Schmerzen im Maul – und – ich fresse alles, was auf dem Weg liegt, zu verknüpfen.

Wenn Sie mir also demnächst mit einem unglücklich, weil einen Beißkorb tragenden Hund begegnen, ist Mitleid für den Hund wirklich nicht angebracht – allerhöchstens für mich, weil ich einen mutmaßlich übel gelaunten Hund Gassi führe, der nun nicht mehr alles fressen kann, was er findet.

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2 Kommentare zu “Wie der tägliche Spaziergang mit einem Beagle zur Horrorvorstellung wird…”

  1. U. Weise sagt:

    Ich möchte hier mal eine Lanze brechen für Maulkörbe als Schutz für den eigenen Hund:

    Der Maulkorb hat in meinen Augen einen viel zu schlechten Ruf. Mein kleiner Schatz lässt sich recht zuverlässig abrufen, ist mit fast allem verträglich und auch sonst sehr unkompliziert.
    Nachdem ich allerdings die dritte Nacht alle 2 Stunden aufgestanden bin um seinen Zustand zu checken, weil er das dritte Mal etwas verschluckt hatte, habe ich ihm einen Mauli besorgt. In unserer Gegend gibt es immer wieder Giftköderwarnungen. Ihm keinen Mauli anzuziehen, weil er darunter ja so leiden könnte, wäre für mich falsch verstandene Liebe gewesen. Und mit Mauli kann er wenigstens freilaufen.

    Die ersten zwei Tage tat er tatsächlich so, als wäre der Mauli direkt mit seiner Hüfte verbunden und er könnte sein Beinchen nicht heben. Da ging es dann halt erstmal alle 3 Stunden raus. Immer mit Mauli.
    Nach zwei Tagen hatte er begriffen, dass es keine Diskussion gibt und sein Gejammer ihm nichts bringt. Jetzt läuft er wieder unbeirrt und – im Gegensatz zu seinen Gassi-Kumpels – frei und scheint ihn kaum zu bemerken.

    Wenn er mit Freunden tobt oder zum Begrüßen anderer Hunde ziehe ich den Mauli meistens aus, sodass die Kommunikation nicht gestört wird. M

    Ich kann nur jedem ,,Sammler”-Besitzer empfehlen einen Maulkorb zu beschaffen – und die ersten paar Tage unbarmherzig zu sein. Unter Umständen erlangt der Hund dadurch nie erlangte Freiheit, weil der Besitzer nicht die ganze Zeit unter Strom stehen muss. ;)

  2. Fischismus sagt:

    ich finde ihre argumentation sehr richtig. hat mich direkt zum nachdenken gebracht. ich denke, ich werde das mit meinem kleinen monster mal ausprobieren ;-) ).

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