Private Nummer

Als ich klein war – ja, das war in den 1970er Jahren – da hatten wir ein Telefon. Mit Wählscheibe. Und einem kleinen Knopf. Wenn man den Hörer abhob, hörte man erst mal gar nichts. Dann musste man den Knopf drücken. Das gab ein lautes Knackgeräusch – knackknackknackknack – wenn das Geräusch mehrmals erklang, bekam man eine Freileitung. Und konnte telefonieren.

Telefonieren anno 1976

Telefonieren anno 1976

Wenn es nur so ansatzweise „knaxte“, war nix mit Leitung. Meine Eltern besaßen ein sogenanntes „Vierteltelefon“. An einer solchen Leitung „hingen“ vier TeilnehmerInnen. Und nur, wenn gerade niemand anderer telefonierte, konnte man den Knopf drücken und…

Selbstverständlich hatten wir keinen Anrufbeantworter. Telefonieren auf eigene Gefahr sozusagen. Wenn es läutete, hob man ab, ohne zu wissen, wer am anderen Ende war. Im Internet habe ich kürzlich folgenden Satz gelesen: Ihr redet hier immer von Leben am Limit. Wir haben früher die Telefone abgenommen ohne zu wissen wer am anderen Ende dran war!

Als ich 1990 von zu Hause auszog, in meine erste eigene Wohnung in Wien, da lief ich freudig zur Post und beantragte ein Telefon. Und zwar einen ganzen Anschluss. Denn auch im Hause meiner Eltern war inzwischen der Fortschritt eingezogen – und mit ihm ein eigenes Telefon. Kein Knopf mehr, um eine freie Leitung zu erhalten. Und das Telefon hatte Tasten – die Zeit der Wählscheibe war vorbei.

Mein ganz eigenes Telefon…

Natürlich – wie gesagt, das war 1990 – dauerte es mehrere Wochen. Aber dann war ich stolze Besitzerin eines von der Post zur Verfügung gestellten Tastentelefons und einer eigenen Telefonnummer. Anrufbeantworter hatte ich natürlich immer noch keinen. Wenn das Telefon läutete, ging ich ran.

Ein paar Jahre später, Mitte der 90er Jahre schließlich, schaffte ich mir einen Anrufbeantworter an. Ein cooles Teil. Und wenn das Telefon jetzt läutete, entschied ich mich für eine von zwei Optionen: Rangehen und hören, wer dran ist oder nicht rangehen und den Anruf auf die Maschine gehen lassen. Wat ein Fortschritt!

Nur wer wirklich cool ist…

1996 schließlich – zu der Zeit arbeitete ich als Producerin in der Tageszeitung „WirtschaftsBlatt“ tauchte mein Ressortleiter plötzlich mit einem ziegelsteingroßen (und –schweren) grauen Trum auf – der Mann hatte tatsächlich ein Mobiltelefon. Unpackbar. Damals hatten nur wirklich „wichtige“ Menschen ein solches Teil. Den Rest der Story kennt ihr: Mobiltelefone wurden immer besser, kleiner, schneller – und jeder und jede hatte eins. Ich natürlich auch. Ich wurde 1998 stolze Mobilteilbenutzerin (die Nummer ist übrigens immer noch die Selbe, wenn ich auch inzwischen den Anbieter gewechselt habe).

Rangehen – oder lieber doch nicht?

Eine der wirklich coolen Funktionen eines Mobiltelefons ist die Anruferkennung. Es läutet, singt, pingt oder lacht – und auf dem Display meines  – inzwischen – Smartphones erscheint die Nummer bzw. der Name der Anruferin. Ich finde das gut. Da weiß man doch, was einen erwartet, wenn man den Empfangsknopf drückt. Angenehm, stressfrei, entspannend. Denn, was viele vielleicht nicht wissen: Man muss nicht abheben, wenn es klingelt, schreit, pfeift oder pingt. Dafür gibt es schließlich die Mobilbox.

Ich selbst habe meine eigenen Regeln: Bei unterdrückter Nummer nehme ich nicht ab. Schließlich habe ich eine Mobilbox, auf der jeder und jede seine/ihre Nachricht hinterlassen kann. Das ist entspannend und erspart mir viele: Guten Tag. Ich habe ein tolles Angebot für Sie…-Anrufe. Wie haltet Ihr es mit der Anruferkennung?

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