Angelina Jolie: Did she right?

Brustamputation Angelina Jolie: Did she right?

Die Schauspielerin ließ sich vorsorglich beide Brüste entfernen, um ihr Brustkrebsrisiko zu verringern.

Die Schauspielerin ließ sich vorsorglich beide Brüste entfernen, um ihr Brustkrebsrisiko zu verringern.

87 Prozent. Das ist die Zahl, um die sich seit gestern alles dreht: Die Topmeldung des Tages war Angelina Jolie, die sich prophylaktisch beide Brüste entfernen ließ. Der Grund: Sie ist Trägerin eines Brustkrebsgens. Und dieses Gen – oder besser gesagt, die Mutation dieses Gens – erhöht ihr Risiko, noch vor dem 50. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken, um 87 Prozent. Und es stimmt. Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, Brustkrebsexperte vom Allgemeinen Krankenhaus in Wien sagte im Interview: 87 von 100 Frauen mit dieser Genmutation erkranken – meist noch vor dem 50. Lebensjahr – an Brustkrebs.

In einem offenen Brief an die New York Times begründet die weltberühmte Schauspielerin und Regisseurin ihre – auf den ersten Blick – schwer verständliche Entscheidung: Sie hätte sich beide Brüste prophylaktisch entfernen lassen. Der Grund: Die Schauspielerin ist Trägerin eines von zwei sogenannten Brustkrebs-Genen. BRCA1 und BRCA2 (das heißt nichts anderes als „Breast Cancer 1“ und „Breast Cancer 2“ – also Brustkrebs 1 und Brustkrebs 2) sind Gene, die das Risiko, im Laufe des Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken, erheblich erhöhen.

Seltene Genvariante

Diese Genvarianten sind selten. Etwa fünf Prozent der Brustkrebserkrankungen werden darauf zurück geführt. In Österreich erkranken jedes Jahr rund 5.000 Frauen neu an Brustkrebs. 250 dieser Fälle sind also auf die defekten Gene zurück zu führen. Wird eine solche Genvariante festgestellt, erhöht sich das Risiko für eine Krebserkrankung der Brust oder der Eierstöcke um Werte zwischen 47 und 87 Prozent. Die Zahlenvariante erklärt sich mit unterschiedlichen Studien, die für solche Metaanalysen herangezogen werden. Christian Singer: „In vielen Studien wird als Endpunkt der Zeitpunkt der Erkrankung bis zum 50. Lebensjahr herangezogen. Andere Studien gehen von einer längeren oder kürzeren Beobachtungszeit aus.“ Auch zusätzliche Risikofaktoren, wie etwa Übergewicht und Aktivität spielen eine Rolle.

Standard in den USA

Es stellt sich die Frage, ob Angelina Jolie sich mit ihrer Entscheidung einen Gefallen getan hat. Nun, könnte man sagen, das ist ihre persönliche Sache, da könne man ihr nichts dreinreden. Allerdings hat sie sich dazu entschlossen, die Mastektomie nicht für sich zu behalten, sondern in einem der wichtigsten Medien weltweit, der New York Times, zu veröffentlichen (http://www.nytimes.com/2013/05/14/opinion/my-medical-choice.html?hp&_r=0). Der Brief ist anrührend, ihre Beweggründe sind durchaus nachvollziehbar. Und, besonders in den USA, gilt – wird diese Genvariante bei einer Frau festgestellt – die Entfernung der Brüste (Mastektomie) und der Eierstöcke (Ovariektomie) als Standardtherapie. Das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs sinkt dadurch in den einstelligen Prozentbereich.

Überwachung in Österreich

In Europa gilt diese Empfehlung nicht. So sagt etwa Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant, Präsident der Austrian Breast and Colon Cancer Study Group im gestrigen Online-Kurier, die Entfernung der Brüste wäre eine Möglichkeit, das Risiko zu verringern (http://kurier.at/lebensart/gesundheit/brustamputation-experte-hype-der-absoluten-risikovermeidung/12.359.179). In Österreich würde bei Genträgerinnen (es sind einige 100) – eher auf eine sehr engmaschige Überwachung der Frauen gesetzt, bei der beispielsweise alle drei Monate die Brust untersucht würde.

BRCA1 und BRCA2 erhöhen übrigens keineswegs nur das Risiko von Brust- und Eierstockkrebs. Die Genvarianten werden für die Risikoerhöhung bei einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen, darunter Magen-, Bauchspeichel- Darm, Gebärmutter und Hautkrebs, verantwortlich gemacht (http://www.cancer.gov/cancertopics/factsheet/Risk/BRCA).

Radikale Möglichkeit

Keine Frage, Angelina Jolie hat, das ist auch ihrem offenen Brief zu entnehmen, eine überlegte Entscheidung getroffen. Ohnehin muss jede Frau selbst entscheiden, welche Vorgehensweise sie für sich wählt. Für Christian Singer ist die Entscheidung für eine Entfernung der Brüste und der Eierstöcke durchaus eine Möglichkeit, um das Risiko an Krebs zu erkranken, radikal zu verringern. Für alle Betroffenen gilt trotzdem: Es gibt Alternativen, und in Österreich ist die Auswahl an qualifizierten Zentren, die Beratung und Untersuchung anbieten, groß. Nicht immer soll/muss eine derart radikale Entscheidung getroffen werden.

iStockphoto®

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