Wintergemüse einkaufen im Winter – eine Provokation!

Ich gehöre zu jenen Menschen, die versuchen, ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Ich habe kein Auto, sondern fahre mit den Öffis oder gehe zu Fuß. Ich hasse fliegen und vermeide es, wenn möglich, was auch ganz gut klappt. Ich trenne den Müll und sammle selbstverständlich die Hinterlassenschaften meines Hundes auf. Und ich versuche, möglichst nur saisonales Obst und Gemüse einzukaufen. Das ist schwerer, als Sie vielleicht glauben.

Radiccio gehört - ebenso wie Chicorée zu den Zichoriengewächsen.

Radiccio gehört - ebenso wie Chicorée zu den Zichoriengewächsen.

Vergangene Woche bereitete mir der beste Ehemann von allen (danke Ephraim Kishon!) ein wunderbares Essen zu. Dazu sollte es Chicorée- und Radicciosalat geben. Leider hatte es am Samstag im Supermarkt keinen solchen gegeben, weshalb ich auf dieses perfekte Geschmackserlebnis verzichten musste.

Dazu müssen Sie wissen: Chicorée gehört, ebenso wie Radiccio, zu den Zichoriengewächsen. Diese Pflanzen sind Wintergemüse, sollten also genau jetzt erhältlich sein. Dachte ich. Und machte mich am nächsten Tag frohen Mutes auf, solches Gemüse zu erwerben. Ich wohne in Meidling, genauer gesagt, im Fuchsenfeld. Dieses Grätzel weist eine Supermarktdichte auf, die mich anfangs doch stark verwundert hat. Alles ist hier vertreten – und zwar gleich mehrfach: Billas, Spars, Hofers, Pennys und Zielpunkts. Und alle diese Tempel des Nahrungsmitteleinkaufs erreiche ich, gemütlich schlendernd in nicht mehr als zehn Minuten.

Der Hund muss mit!

Ich bin eine große Logistik-Freundin. Heißt: Ich versuche möglichst immer mehrere Dinge auf einmal zu erledigen. Diesfalls war es der Hundespaziergang, den ich für meine Ausflüge in die diversen Supermärkte in meiner näheren Umgebung ausgesucht hatte. Der arme Hund! Wir liefen ein paar Hundert Meter, dann hieß es, vor dem Portal des jeweiligen Supermarktes: „Sitz!“ Der Hund wurde angehängt, und ich betrat das Geschäft. Das tat ich insgesamt sechs Mal, ich ging also in sechs verschiedene Supermärkte. Ergebnis: Nicht einer hatte Chicorée oder Radiccio im Angebot. Stattdessen fand ich Erdbeeren aus Peru, Weintrauben aus Argentinien und was weiß ich noch was alles, das bei uns jetzt gar nicht wächst und stattdessen über tausende Flugkilometer nach Österreich transportiert wird.

Facebook-Postings

Ich war sehr ärgerlich. Und machte meinem Ärger nach dem Ende des Einkaufsbummels und der Verstauung des Hundes im Hundekörbchen, via Facebook Luft. Ich postete an die Pinwände aller Supermärkte, in denen ich gewesen war, das negative Ergebnis meiner Einkaufsbemühungen. Die Social-Media-Teams der Einkaufsläden reagierten erwartbar: „Es tut uns leid, wir werden das weiter leiten, etc. pp. Was mich aber wirklich erstaunte, war die Reaktion der User, die meine Einträge kommentierten!

Das reichte von „@Sabine Fisch: Wieso hast du punktgenau diese Zeilen auch beim Hofer gepostet? Ich nenn das Spam! Absichtlich die Läden anpatzen. Gehst zu allen Geschäften schauen was im Angebot haben und beschwerst dich dann? Traurig!!“

(Weil ich gerne Chicorée oder Radiccio gehabt hätte und deshalb so viele Filialen aufsuchte? Anm. der Autorin dieser Zeilen)

Über „Wieso hat Sabine nach der BILLA-Filiale Niederhofstraße weitere fünf Lebensmittelketten besucht, wenn sie “wohnungsnah” einkaufen will? 100 Meter neben der besagten Filiale beginnt der Meidlinger Markt … (der derzeit, wegen der Kälte wohl, kein Gemüse verkauft. Anm. der Autorin dieser Zeilen).

Bis hin zu: „wenn man nachhaltig und ökologisch einkaufen will, muss man damit rechnen, dass bestimmte lebensmittel gerade nicht verfügbar sind – auch wenn sie saison haben. denn überproduktion, wenn nicht genug nachfrage besteht, ist auch schädlich.“

Na klar: Es lag bestimmt an der mangelnden Verfügbarkeit, das in sechs unterschiedlichen Supermärkten unterschiedlicher Ketten weder Chicorée noch Radiccio verfügbar waren.

Worum es mir geht: Ja, es gibt Märkte, auf denen auch regionale Produkte angeboten werden. Aber eben auch Ja, ich möchte wohnortnah einkaufen gehen – ich habe nämlich kein Auto, um den Wocheneinkauf komfortabel vom Naschmarkt nach Hause zu transportieren.

Die Reaktionen der UserInnen auf Facebook haben mich erschreckt. Scheinbar hat niemand verstanden, worauf ich hinauswollte: Anstelle des Heranfliegens von Obst und Gemüse, das bei uns jetzt nicht wächst, das Angebot regionaler Produkte fordern, um aktiv etwas gegen die Klimaerwärmung zu tun. Schade.

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